Das Wissen der Schriftstellerinnen um 1800. Vergessene Autorinnen, vergriffene Forschung
Öffentlicher Abendvortrag von Professorin Dr. Martina Wernli (Humboldt-Universität zu Berlin)
Epochenüberblicke, Literaturgeschichten und Schulbücher kommen oft ohne Autorinnen um 1800 aus – die Studierenden kennen dann Schriftsteller wie E.T.A. Hoffmann, Novalis, Eichendorff oder Friedrich Schlegel. Die feministische Literaturwissenschaft hat aber zwischen 1980 und 2000 zu Autorinnen wie Dorothea Schlegel, Rahel Levin Varnhagen, Sophie Tieck oder Karoline von Günderrode geforscht und publiziert. Diese Forschung ist mittlerweile größtenteils vergriffen, die Werke der Schriftstellerinnen wurden immer noch nicht ediert – die Folge ist, dass sie nur mit größerem Aufwand Eingang in die Lehre finden. Welche Mechanismen spielen hier eine Rolle und wie lassen sich diese Dynamiken durchbrechen? Der Vortrag stellt einzelne Autorinnen und Werkauszüge vor, stellt die Lage der Forschung dar und reflektiert das Verhältnis von traditionellerer Literaturwissenschaft und aktivistischen Projekten wie etwa dem offenen Netzwerk #breiterkanon.
Martina Wernli ist Professorin für Neuere deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin. Promotion 2012 mit einer Arbeit über das Schreiben in der Psychiatrie um 1900, Habilitation 2020 mit einer Arbeit zur Literaturgeschichte des Gänsekiels vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. 2020 initiierte sie das offene Netzwerk #breiterkanon. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen: Material Culture Studies, Werke der Romantikerinnen, Dingerzählungen, Fragen der Kanonisierung.
Moderation: Professorin Dr. Elisabeth Flucher, Professorin Dr. Katrin Horn
Veranstalter: Alfried Krupp Kolleg Greifswald


